In Ihrem Browser ist Javascript deaktiviert. Um alle Funktionen in vollem Umfang zu nutzen,
schalten Sie es bitte ein. Hier erfahren Sie wie dies funktioniert.

 
 

Allgemein- und Viszeralchirurgie

Hernienzentrum


Operationsverfahren bei der Diagnose "Leistenbruch"

Grundlage der Leistenbruchchirurgie ist das Verfahren nach Shouldice, das Ende der 80er Jahre das Verfahren nach Bassini abgelöst hat. Es setzt die theoretischen und pathophysiologischen Erkenntnisse in ein sinnvolles operatives Konzept um. Dies bedeutet, dass die Bauchwandschichten im Bereich der Bruchbildung von innen nach außen rekonstruiert werden und damit eine Verstärkung der Bauchwand in diesem Schwachpunktbereich herstellen. Zwar geben die Studien der vergangenen Jahre jeweils Rezidivquoten zwischen 1 und 2 % an, die Wirklichkeit spiegelt diese Ergebnisse jedoch nicht wider. Erhebungen der Qualitätsgeschäftsstelle Nordrhein geben Rezidivquoten zwischen 12-14% an, so dass das Verfahren nach Shouldice zwar für viele, nicht aber für alle Patienten, Rezidivfreiheit garantieren kann. Dementsprechend wurde das Verfahren nach Shouldice durch weiterführende Operationsverfahren ergänzt, die jeweils Kunststoffimplantate verwenden.

Das Verfahren nach Lichtenstein gehört zu den sogenannten offenen Verfahren, die wie bei der Operation nach Shouldice über einen Leistenschnitt unterschiedlicher Größe durchgeführt werden. Bei dem Operationsverfahren nach Lichtenstein wird ein 7,5 x13 cm großes Polypropylene-Netz zur Bauchwandverstärkung eingenäht, dadurch können die Rezidivquoten entsprechend gesenkt werden. Das Operationsverfahren stellt den "golden standard" in der Leistenbruchchirurgie dar.

Die offenen Operationsverfahren über einen Leistenschnitt werden ergänzt durch die minimal invasiven chirurgischen Verfahren (MIC), die überwiegend in unserem Spezial-OP  für minimal invasive Chirurgie (MIC-OP) durchgeführt werden. 

Hierbei werden über drei kleine Hautinzisionen in Höhe des Bauchnabels die jeweiligen Leistenbrüche, ggf. auch beidseits, präpariert und mit einem Netz stabilisiert.

Während die offenen Operationsverfahren bei gesunden Patienten ambulant durchgeführt werden können, ist für die minimal invasiven Verfahren die stationäre Aufnahme angesagt. Unabhängig von dem Operationsverfahren sollte nach ca. 2 Wochen die Aufnahme sportlicher Tätigkeiten sukzessive möglich sein, eine Vollbelastung nach 4 Wochen.

Insgesamt wird im Hernienzentrum ein Konzept verfolgt, das ein stadiengerechtes und patientenadaptiertes Vorgehen ermöglicht. Dies bedeutet, dass die kleineren Hinterwanddefekte beim jüngeren Patienten nach Shouldice repariert werden können. Mit zunehmender Instabilität der Hinterwand und ansteigendem Lebensalter ist auf ein Netzimplantat zurückzugreifen, nach den Empfehlungen der Europäischen Herniengesellschaft (EHS) auf die Verfahren nach Lichtenstein bzw. auf das minimal invasive Verfahren, in unseren Händen die TAPP.

Neben dem Schwerpunkt der Leistenbruchchirurgie gilt unser Interesse darüber hinaus den Reparationsformen der verschiedenen Bauchdecken- und Narbenbrüche. Abgesehen von kleineren Brüchen besteht hier grundsätzlich die Indikation zur Implantation eines Netzes, das sich je nach Bruchsituation offen oder minimal invasiv, laparoskopisch eingebracht wird. Dies ist je nach Individualfall zu entscheiden. Die offene Hernienreparationsform nach Jean Rives mit retromuskulärer Netzimplantation kann nötigenfalls auch mit einer Bauchdeckenseparation nach Ramirez kombiniert werden, um die Mittellinienrekonstruktion und damit die Wiederherstellung der Stabilität zu ermöglichen. Bei großen Bauchwanddefekten, bei denen dieses Verfahren nicht möglich ist, besteht die Möglichkeit eines Bauchwandersatzes mit großen, allerdings auch sehr teuren biologischen Implantaten. Soweit die Bauchdeckenintegrität noch weitgehend erhalten ist, stehen die minimal invasiven, laparoskopischen Verfahren im Sinne eines laparoskopischen IPOM im Vordergrund. Hierbei wird ein Netz im Rahmen einer Bauchspiegelung an der inneren Bauchhinterwand fixiert und damit die Bruchbildung aufgehoben. Auch hier gilt es, den individuell richtigen Weg für den jeweiligen Patienten im gemeinsamen Gespräche zu finden.