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Orthopädische Klinik

Anatomie und Funktion


Aufbau

Komponente Hüftgelenks-Pfanne
Das Hüftgelenk ist ein Kugelgelenk und besteht aus den Komponenten Hüftpfanne (Acetabulum) und Hüftkopf (Caput ossis femoris). Die Hüftpfanne bildet eine kugelförmige Schale und besitzt innenseitig eine mit Gelenkknorpel belegte Fläche, an der die Druck- und Kraftübertragung sowie die dynamische Führung stattfindet. Am Pfannendach ist diese Knorpelfläche und auch der Knochen am kräftigsten ausgeprägt, weil hier die Übertragung der Gelenkkräfte am stärksten ist.
Am dünneren unteren Pfannenboden findet sich hingegen auch dünnes Bindegewebe, weil hier ein die Pfanne mit dem Hüftkopf verbindendes Band (Ligamentum capitis femoris) entspringt und somit unter normalen Verhältnissen nicht einklemmen kann.
Am der äußeren Umgebung der Hüftpfanne erhöht sich der Rand durch eine knorpelige Lippe (Labrum acetabulare), die ringförmig die gesamte Pfanne umschließt. Dadurch wird zum einen die gesamte Gelenkfläche vergrößert, zum anderen wird auch der Hüftkopf um mehr als die Hälfte von der Pfanne umschlossen. Da diese Struktur jedoch aufgrund seiner weichen Beschaffenheit sehr nachgiebig ist, wird der Bewegungsumfang im Vergleich zu einem starren System sogar noch verbessert .

Anatomie Hüfte

1. Pfannendach
2. Labrum acetabulare (Gelenklippe)
3. Pfannengrund
4. Ligamentum capitis femoris
5. Hüftkopf

Die Krümmung der Hüftgelenkpfanne ist je nach Lebensalter unterschiedlich ausgeprägt und weist z.B. beim Neugeborenen eine vergleichsweise geringe Tiefe auf. Gerade in dieser Phase ist das Risiko einer frühkindlichen Ausrenkung des Hüftgelenkes am höchsten, insbesondere wenn zusätzlich noch anlagebedingte Entwicklungstörungen des Hüftgelenkes (Dysplasie) sich manifestieren.

Durch die mittlerweile engmaschigen Ultraschallkontrollen beim Neugeborenen und Kleinkind kann dieses Risiko und auch andere Entwicklungsstörungen jedoch frühzeitig erfasst und entsprechend behandelt werden. Insofern werden die aus diesen Befunden resultierenden Dauerschäden bei den Generationen, die seit der Einführung und Verbreitung sowie Standardisierung der Hüftgelenk-Sonographie aufwachsen, immer seltener auftreten.

Dennoch finden sich immer wieder insbesondere bei Patienten aus anderen Ländern oder Kulturkreisen komplexe Hüftgelenks-Entwicklungsstörungen (Hüftgelenks-Dysplasie), die dann schon im jüngeren Alter zur Notwendigkeit von korrigierenden Umstellungs-Operationen oder speziellen endoprothetischen Operationen führen können.

Komponente Hüftkopf

Der Hüftkopf (Caput ossis femoris) hat die Form einer Kugel und einen Durchmesser von durchschnittlich 50 mm. Zwei Drittel seiner Fläche sind von einer Gelenkknorpelschicht überzogen, wobei die Hüftgelenks-Pfanne nur einen Teil der Knorpelfläche des Hüftkopfes umfasst. Dies ist notwendig, damit die freie, nur von einer Gelenkkapsel bedeckten Gelenkfläche je nach Bewegungsmuster und -richtung unter die Pfanne gleiten kann.

Komponente Schenkelhals
Der Schenkelhals (Collum ossis femoris) verbindet den Hüftkopf mit dem Oberschenkelschaft und stellt eine mechanische Besonderheit dar. Aufgrund seiner schräg nach aufwärts und nach vorne führenden Ausrichtung entsteht ein dynamisches und mechanisches Trageelement.

Der Schenkelhals bildet mit der Achse des Oberschenkels einen Winkel (CCD-Winkel = Centrum Collum Diaphysen - Winkel), der zwischen 120° und 130 ° variiert. Ist wie z.B. bei Lähmungen die auf den oberen Teil des Oberschenkels einwirkende Muskelkraft gestört entwickelt sich häufig eine Steilstellung des Schenkelhalses (Coxa valga). Umgekehrt kann es hingegen bei muskelkräftigen Anlagen oder auch z.B. bei durch Stoffwechselstörungen bedingten Erweichungen des Knochens zu einer Verbiegung des Schenkelhalses nach unten kommen (Coxa vara).

Diese Veränderungen spielen eine grosse Rolle bei der Entstehung einer Arthrose am Hüftgelenk und werden deshalb auch als präarthrotische Deformität bezeichnet. Zwischen dem Hüftkopf und dem Schenkelhals befindet sich beim Heranwachsenden eine Zone, in der das u.a durch zellbiologische Vorgänge gesteuerte Knochenwachstum stattfindet.
Diese Wachstumsfuge (Hüftkopfepiphyse) spielt eine erhebliche Rolle bei der Hüftkopfepiphysenlösung (ECF = Epiphysiolysis capitis femoris), die beim Jugendlichen sich als chronisches wie auch hochakutes Krankheitsbild entwickeln kann. Mittlerweile muss auch den schleichenden Veränderungen, die sich aus partiellen, teilweise klinisch stummen Hüftkopfepihysenlösungen entwickeln können, eine hohe Bedeutung sowohl bei der Arthroseentstehung als auch bei der Entwicklung eines femoroacetabulären Impingement (FAI) zugemessen werden.

Funktionelle Bewegung
Das Kugelgelenk-Modell am Hüftgelenk lässt mehrere Bewegungsrichtungen auch in Kombination zu. Dies führt dazu, dass am Hüftgelenk je nach Bewegungsebene die Bewegungsmuster Streckung / Beugung, Abspreizung / Anspreizung, Außendrehung / Einwärtsdrehung vollzogen werden können.