Vom Glück, helfen zu können

Montag, 12.01.2026

Eine rekonstruierte Nase, wo vorher ein Loch klaffte, transplantierte Haut, wo Brandwunden entstellten: 119 Operationen in zwei Wochen, alle mit dem Ziel, meist jungen Patienten ein Stück körperliche Unversehrtheit zurückzugeben: Zwei Ärzte aus dem JoHo waren mit Interplast in Mosambik.

WIESBADEN/NAMPULA. Es war eine komplett andere Welt in die Dr. Ales Stanek, Facharzt für Anästhesie am St. Josefs-Hospital Wiesbaden, und sein Kollege, Assistenzarzt Felix Tietze, für zwei Wochen eintauchten. Sie waren im November für die Hilfsorganisation Interplast Germany nach Nampula im Osten Afrikas gereist. Mit dabei ein interprofessionelles Team, u.a. aus Plastischen Chirurgen, Narkoseärzten, Anästhesiepflegekräften und einer auf Neuropädiatrie spezialisierten Physiotherapeutin.

850 Kilo Gepäck

Schon die Anreise war ein Abenteuer und dauerte mehrere Tage und Nächte: Es reist sich nicht leicht mit 850 Kilo medizinischem Gepäck, darunter 56 Koffer mit Medikamenten und Verbandsmaterial und 38 Koffer mit OP-Material. Diverse Flugzeugwechsel und logistische Herausforderungen später landeten die Helfer am Zielort, um meist jungen Verbrennungsopfern und Patienten mit schweren angeborenen oder erworbenen Deformitäten und Schmerzen ein Stück körperliche Unversehrtheit zurückzugeben.

Mosambik ist eines der ärmsten Länder der Welt. Viele Kinder ziehen sich beim Spielen am offenen Feuer oder bei Berührung mit kochenden Flüssigkeiten schwerste Verletzungen zu.

Kein Bett, kein Strom, starke Schmerzen

Für Stanek war es einer von vielen Interplast-Einsätzen, für Tietze der erste. 115 Operationen wurden binnen der zwei Wochen unter teils schwierigsten Bedingungen durchgeführt: Im Krankenhaus von Nampula, einer Stadt so groß wie Frankfurt am Main, liegen Patienten oft auf Pappe in Fluren und Treppenhäusern oder teilen sich ein Bett, es gibt nichts zu essen, sofern die Angehörigen es nicht mitbringen, die hygienischen Bedingungen sind katastrophal, Stromausfälle während einer OP sind keine Seltenheit.

Manche der kleinen Patienten hätten beim Erstkontakt geweint, berichten die Helfer, weil sie eine weitere Tortur bei der Wundversorgung befürchteten. Den Ärzten und Pflegekräften vor Ort fehlen Medikamente und Mittel zur Kurzzeitnarkose, so dass die Versorgung, wenn sie denn stattfindet, oft qualvoll ist. „Als sie merkten, dass unsere Arzneien ihnen diese Schmerzen nehmen, war das eine Befreiung für sie“, sagt Stanek. In zwei Sälen wurden entstellende Fehlbildungen operiert, Haut transplantiert, Menschen, die Schlimmes erlebt hatten, Heilung ermöglicht.

Zur Selbsthilfe befähigen

Der Aufenthalt diente auch dem Wissenstransfer, der Anleitung junger, unerfahrener Ärzte und Pflegekräfte. „Wir erlebten einen enormen Wissenshunger, den Wunsch, selbst Verbrennungsopfern wirksam zu helfen“, sagt Ales Stanek. Und seitens der Patienten und Angehörigen wurde ihnen ganz viel Dankbarkeit entgegengebracht. „Wenn ein 17Jähriger einen Taschenspiegel nicht mehr aus der Hand legen mag, weil sein Gesicht durch eine aus körpereigenem Material rekonstruierte Nase seine Intaktheit zurückerhielt, die wegen einer Krebserkrankung hatte entfernt werden müssen, dann ist das auch für uns Ärzte und Pflegende ein Glück, das einen tief im Inneren berührt und das man mit nach Hause nimmt“, erinnert sich Stanek mit Freude an den anstrengenden, aber erfüllenden Aufenthalt im Osten Afrikas.

 

Mehr über Interplast unter: Interplast-Germany e.V. | Plastisch-chirurgische Hilfe für Patienten in Ländern des globalen Südens und Krisengebieten

 

Copyright Fotos: Interplast


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