Mittwoch, 16.09.2020

Im JoHo bündeln etablierte Gelenkexperten im Zentrum für Orthopädie, Wirbelsäule und Unfallchirurgie ihre Erfahrungen in einem gemeinsamen Zentrum. Heute geht es dabei um das Kniegelenk. Wir stellen Ihnen Prof. Dr. med. Jens Dargel, Chefarzt der Orthopädie am JoHo und Experte für das Kniegelenk vor.

 

Was war Ihr Traumberuf als Kind? Wollten Sie schon immer Arzt werden?

Prof. Dr. Dargel: Ja, Arzt zu werden war immer mein großer Traum. Schon als kleiner Junge habe ich Gegenstände in Kissen eingenäht um sie anschließend herauszuoperieren – meine ersten chirurgischen Übungen.

 

Warum haben Sie sich auf den Bereich Knie spezialisiert?

Prof. Dr. Dargel: In der Jugend habe ich selber viele Stunden als Patient beim Orthopäden verbracht. Der Basketballsport hatte meine Knie insbesondere im Wachstum extrem belastet. Bei der Behandlung durch meinen Orthopäden habe ich gemerkt, wie sehr mich diese Tätigkeit begeistert. Somit wusste ich schon in der Schulzeit, dass ich später einmal Menschen mit Kniegelenksbeschwerden helfen möchte.

 

Was macht das Knie für Sie besonders?

Prof. Dr. Dargel: Das Knie ist ein extrem spannendes Gelenk, weil wir trotz Jahrzehnte langer Forschung immer noch Neues entdecken und vieles noch nicht verstanden haben. Das liegt einerseits an der enormen Komplexizität des Bewegungsablaufes und der einwirkenden Kräfte, andererseits aber auch an der hohen individuellen Variabilität – jedes Knie ist anders und einzigartig!

 

Welche Spezialistentipps haben Sie bei Problemen mit dem Knie?

Prof. Dr. Dargel: Das Kniegelenk ist bereits im Alltag sehr hohen Belastungen ausgesetzt. Diese potenzieren sich, wenn sportliche Aktivitäten oder auch hohes Gewicht hinzukommen. Daher gilt bei Kniebeschwerden fast immer: Mehr Bewegung, weniger Belastung!

 

Was kann man tun, damit die Knie fit bleiben?

Prof. Dr. Dargel: Kniegelenke sind anpassungsfähig, weil zum Beispiel Zellen in Knorpel und Knochen auf eine wiederkehrende Belastung reagieren können indem sie das Gewebe widerstandsfähiger machen. Anders herum wird Gewebe abgebaut, wenn es zu wenig gefordert wird. Daher ist es entscheidend, die Knie durch regelmäßige Aktivitäten zu stärken und Belastungen moderat und nicht zu plötzlich zu steigern. Ein individueller Trainingsplan kann hier helfen!

 

Gibt es eine OP, an die Sie sich besonders gern zurückerinnern? Wenn ja, warum?

Prof. Dr. Dargel: Ein osteuropäischer junger Mann hatte sich im Kleinkindalter bei einem Verkehrsunfall beide Beine gebrochen. Aufgrund fehlender Behandlung im Heimatland wurden beide Knie steif und die Knochen wuchsen schief zusammen. Jede kleine Treppenstufe wurde zu einem großen Hindernis. Durch eine sehr aufwendige Operation konnte ich die Knie wieder beweglich machen und dem jungen Mann ein neues Lebensgefühl schenken.

 

Wer war Ihr ungewöhnlichster Patient/Ihre ungewöhnlichste Patientin?

Prof. Dr. Dargel: Ich habe einer Patientin bei meinem früheren Arbeitgeber eine Knieprothese implantieren wollen. Im OP fiel die Prothese auf den Fußboden und musste entsorgt werden. Es gab kein Ersatzteil. Der Hersteller organisierte eine Ersatzprothese, die mit einem Taxi mehrere Stunden durch Deutschland reiste – während die Patientin friedlich in Narkose im OP schlief. Es war mit über 6 Stunden einer meiner längsten Knieoperationen… aber ich habe selten eine Patientin erlebt, die mit ihrem Knie zufriedener war! Nach 2 Wochen kam sie zum Entfernen der Fäden… mit dem Fahrrad!

 

Was machen Sie in Ihrer Freizeit am liebsten, wenn Sie nicht an OPs und Gelenke denken?

Prof. Dr. Dargel: Wenn ich nicht operiere, dann bastele ich in meiner Werkstatt – alleine oder mit den Kindern – Ideen gibt es jede Menge!


zur Übersicht

Bitte geben Sie den Suchbegriff in die Suchbox ein und drücken Sie anschließend ENTER